Systemmodernisierung
RWE migriert riesige Datenmengen und enorme Datenvielfalt mit Hilfe moderner Technologien von Information Builders
Die Situation
Wer seine Großrechenanlagen in den wohlverdienten Ruhestand schicken will, muss sich rechtzeitig überlegen, wie er mit den vorhandenen Datenbeständen umgeht. In den meisten Fällen ist man auf die Daten angewiesen und will sie in der neuen Umgebung weiter verwenden. Bei der Einführung neuer IT-Systeme ist es deshalb sehr wichtig, die Altdaten so aufzubereiten, dass sie problemlos in die neue Umgebung importiert werden können. Neben einer umfassenden Datenprüfung in den Altsystemen ist aber auch die schnelle Übertragung der Datensätze in die neue Umgebung ausschlaggebend für den Erfolg.
Die RWE hat sich bei der Migration der Vertriebs- und Abrechnungssysteme Hilfe vom Integrationsspezialisten Information Builders geholt, um für die kritische Aufgabe der Datenmigration gerüstet zu sein. Für die Migration der Datensätze kamen zwei Produkte von Information Builders zum Einsatz: die Integrationssoftware iWay und die Reportinglösung FOCUS. Mit der Leitung des Projekts hatte der ehemalige Energieversorger VEW - später RWE - die hauseigene Abteilung "Abrechnungs- und Informationsverarbeitung" betraut. Als Unterauftragnehmer der IT wurde die SOPTIM AG mit der Koordination und Extraktion beauftragt.
Die Zielsetzung
Ziel war die Umstellung der Vertriebs- und Abrechnungssysteme auf eine SAP-Lösung, die speziell auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnitten ist. Das SAP-System stellt indes Ansprüche an die Daten, mit denen es gefüttert wird, weshalb die Walldorfer den Anwendern Empfehlungen für die Migration mitgeben. Für die spezielle SAP-Lösung, die so genannte IS-U (Industry Specific Component Utilities), ist eine sorgfältige Aufbereitung der Daten erforderlich: Die Daten sollten bereinigt, auf ihre Konsistenz geprüft und schließlich den IS-U-Strukturen zugeordnet werden.
Die Lösung
Herausforderung Datenvielfalt
Das alles kostet Zeit, vor allem dann, wenn wie bei der RWE AG sehr viele Datensätze vorhanden sind. Allein am Standort Münster versorgt die RWE AG rund eine Million Kunden mit Strom, Gas, Wärme und Wasser. Insgesamt 3,5 Millionen Datensätze macht das in Summe aus - und die waren bei der RWE in Münster in verschiedenen Datenhaltungssystemen abgelegt. Denn die RWE AG hat - wie viele andere Unternehmen auch - ihre Daten nicht einheitlich auf nur einem System verwaltet. „Diese Vielfalt war durchaus sinnvoll, da jedes System in Bezug auf die unterschiedlichen Anforderungen in den Bereichen Gas, Strom, Wärme und Wasser seine eigenen Stärken hat", sagt Stefan Helnerus, Abteilungsleiter bei der RWE Systems Applications GmbH. „Zu einer Herausforderung wird die Vielfalt jedoch dann, wenn die Daten in einer ganz neuen Umgebung gebraucht werden."
Aus Datenhaltungssystemen wie IMS, IMB/DB2, Oracle oder sequentiellen Dateien mussten die Daten extrahiert werden. Die SAP-Lösung, in die die Daten importiert werden sollten, arbeitet wiederum mit einer Schnittstellenstruktur auf Oracle-Basis. Für eine effiziente Integration der Datensätze kam es deshalb darauf an, dass die eingesetzte Software über entsprechende Adapter verfügt.
iWay von Information Builders ist für solche Fälle gerüstet - mehr als 200 Adapter für alle Arten von Daten und Datenquellen bietet das Produkt. Durch den Einsatz der Integrationssoftware haben die Projektverantwortlichen die Daten erheblich schneller bereitgestellt als es normalerweise bei so großen Datenvolumina der Fall ist. Das sonst so zeitaufwändige Programmieren von neuen Schnittstellen oder Adaptern hat die Projektleitung der RWE Systems Applications GmbH deshalb komplett von der Agenda gestrichen.
Reporting während der Migration
Der Integrationsspezialist Information Builders kombiniert die enorme Zahl an Adaptern, die er im Laufe der Jahre entwickelt hat, mit der Reportinglösung FOCUS. Das Programm stellt die extrahierten Daten als Flat Files bereit, um sie anschließend in die Oracle-Zieldatenbank zu importieren. FOCUS läuft auf jedem PC und lässt sich einfach über eine Netzwerk-Verbindung mit den Daten-Servern koppeln. Der Vorteil eines solchen Reporting-Systems: Die Mitarbeiter können während der Migration die Datensätze einsehen. „Der Einsatz von FOCUS hat uns in zweierlei Hinsicht genutzt: Die Software ist sehr einfach in die Infrastruktur einzubinden und die Möglichkeit, spontan das Material zu analysieren, hat uns während der Migration sehr weitergeholfen", sagt Stefan Helnerus.
Mit FOCUS hat die RWE eine weitere Aufgabe bewältigt: Änderungen während des Migrationszeitraumes, in dem kein operatives System zur Verfügung stand, wurden zunächst in separaten Datenbanken erfasst. Um die Änderungen auch den Kollegen vom Vertrieb nach Produktionsstart zugänglich zu machen, haben die Mitarbeiter des Migrationsprojektes FOCUS zur Auswertung genutzt.
Das Programm hat alle Änderungen dann im Textverarbeitungsprogramm Word in ein so genanntes Erfassungsformular eingetragen, aus dem darauf ein Serienbrief erstellt wurde. Nachdem so die Aufbereitung der Änderungen weitgehend durch die Software geleistet war, konnte die Projektleitung das manuelle Nacherfassen Hilfskräften übertragen.
Das Ergebnis
„Die unangenehmen Auswirkungen des Systemstillstands während der Migration konnten somit im Sinne des Kunden in Grenzen gehalten werden. Das heißt, Arbeitsrückstände blieben überschaubar und beherrschbar", sagt Stefan Helnerus. „Das Projekt ist insgesamt sehr gut gelaufen. Alle Beteiligten haben davon profitiert, dass die eingesetzte Software ihnen einen guten Teil Arbeit abgenommen hat", ergänzt Frank Rettig, Geschäftsbereichsleiter bei der SOPTIM AG.

